April 2011
Nie zuvor war der Mensch in der Lage so wirkungsvoll und nachhaltig in seine weitere Entwicklung einzugreifen und ein Idealbild seiner selbst zu erschaffen. Nanobioinformationstechnologien, Emotional Computering und Transhumanismus zeigen längst die größer werdende Notwendigkeit des Menschen Eigenverantwortung für die Gestaltung seiner Zukunft zu übernehmen und sich ganz konkret mit Nu
tzen und Gefahren fortschreitender technischer Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Wer entscheidet über die Maßstäbe und Parameter eines „neuen Menschen“? Ist nicht, nachdem die Frage nach dem technisch Machbaren beantwortet scheint, die Frage nach dem ethisch Vertretbaren, einem gesellschaftlichen, soziologischen oder gar evolutionären Nutzen, von wesentlich größerer Bedeutung und Tragweite? Die Schwierigkeit, Innovation zu bewerten ist spätestens seit Groys „Über das Neue“ kunsttheoretischer Konsens - „neu“ heißt längst nicht mehr „besser“, sondern lediglich „anders“. Ist es also ein Trugschluss im „neuen Menschen“ einen besseren Menschen zu suchen? Kuratiert von René Sander, führt die Ausstellung „HOMO_INFORMATICUS – Positionen zu Thema „Der neue Mensch“ im Atelier UNSICHTBAR als Projektraum mit Stefan Heller, Patrick Henne, Carolin Hoffmann und Denis Pavlovic sowie dem Künstler-Trio Matthias Bohling, Hagen Lorenz und Hans-Olaf Petersen fünf unterschiedliche künstlerische Positionen aus dem Raum Stuttgart zusammen. Offen für verschiedenste Auslegungen beschäftigen sich die Künstler experimentell mit Zukunft und Entwicklungspotentialen des Menschen und verleihen ihrer individuellen Vision des "neuen Menschen" Ausdruck, so dass das Ausstellungsthema um den ganz persönlichen Kosmos der Künstler kreist. Stefan Heller, Jahrgang 1985, schloss 2010 sei Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart ab. Seine Arbeiten entstehen in komplexen Arbeitsprozessen mit digitalen Bildbearbeitungsprogrammen. Die metaphysisch und spirituell aufgeladenen Inhalte der gezeigten Arbeiten und ihre hoch technisierte Machart thematisieren das Spannungsfeld „Mensch – Technik“ auf vielfältigen Ebenen und führen die beiden Elemente zu einer künstlerischen Einheit. Patrick Henne, ebenfalls Jahrgang 1985, schafft mit seinen Arbeiten Zukunftsvisionen, die scheinbar die infantile Sehnsucht nach einer heilen Welt stillen. Durch subtile Mittel wird jedoch eine unheimliche, ja beängstigende und ganz und gar trügerische Stimmung erzeugt, die eine vielschichtige und ambivalente Geschichte hinter den Motiven erahnen lässt. Angst, Zweifel, Opportunismus und Lethargie sind Kernelemente dieser vermeintlichen Zukunftsvisionen. Carolin Hoffmann, geboren 1979, thematisiert in ihren Arbeiten das menschliche Wesen in Körper und Psyche. Die Basis der Werke ihrer Serie „Bloodpaintings“ bilden die Abdrücke menschlicher Köper mittels Schweineblut, die durch Ölfarben weiter bearbeitet wurden. Die Verwendung von Blut als Arbeitsmaterial möchte Verbindungslinien zur Frage nach dem Umgang des Menschen mit seiner DNA und Genetik herstellen und gibt dessen artifizielle Verwendung zur neuerlichen Bewertung frei. Denis Pavlovic aka Danny Heartrocker, Jahrgang 1987, studiert an der Merz-Akademie Film und Video. Künstlerisch beschäftigt er sich außerdem mit Zeichnung, Typografie, und Graffiti. Die gezeigten Arbeiten zeigen Ausschnitte aus seiner zynisch-ironischen Vision des Menschen. Undefinierbare, amorphe Gebilde mit Augen und Reißzähnen könnten symbolisch die Zukunft des Menschen verkörpern oder an Ergebnisse missglückter Genversuche erinnern. „OKATU“ zeigt das japanische Wort für einen Menschen, der sein Haus nicht mehr verlässt und nur noch über technische Medien mit seiner Umwelt kommuniziert. Matthias Bohling (geboren 1972) Hagen Lorenz (ebenfalls 1972) und Hans-Olaf Petersen (Jahrgang 1974) beschäftigen sich mit Medien- und Digitalkunst, Design und audio-visuellen Installationen sowie Metallbildhauerei. Mit der Skulptur „Unnütz 2“ wurden Industriestahl-Reste zu Bauteilen einer Doppelhelix-Struktur der DNA transformiert. Die prozesshafte Installation „Input me“ reagiert mittels Bewegungsmelder auf die Anwesenheit des Betrachters. Die Arbeit, die den virtuellen Raum thematisiert, führt die allgemeingültige Verdrängung und Ausweitung von Raum durch die An- oder Abwesenheit des Menschen vor Augen. Die Ausstellung ist von Donnerstag bis Sonntag jeweils 16:00 - 20:00 geöffnet. An jedem dieser Tage haben Sie die Möglichkeit, einen der ausstellenden Künstler persönlich zu treffen:
Do 14.4. Matthias Bohling und Olaf Petersen
So 17.4. Patrick Henne
Do. 21.4. Carolin Hoffmann
Fr. 22.4. Denis Pavlovic
Sa. 23.4. René Sander