31/03/2026
„Instrument des Jahres“ als Impuls: Deutsches Harmonikamuseum erhält Landesförderung für systematische Sammlungsqualifizierung
Sonderprogramm des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg ermöglicht digitale Erschließung des weltweit einzigartigen Referenzbestands zur Geschichte der Harmonikainstrumente
Trossingen, 31. März 2026. Das Deutsche Harmonikamuseum (DHMT) in Trossingen erhält im Rahmen des Sonderprogramms Sammlungsqualifizierung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, administriert durch die Landesstelle für Museen Baden-Württemberg, eine Förderung in Höhe von rund 15.000 Euro. Gemeinsam mit dem Eigenanteil des Museums in Höhe von circa 1.700 Euro steht damit ein Gesamtprojektvolumen von 16.700 Euro zur Verfügung, das die systematische digitale Erschließung, fachwissenschaftliche Qualifizierung und fotografische Dokumentation des weltweit einzigartigen Sammlungsbestands ermöglicht. Das Projekt wird im Mai 2026 aufgenommen und ist bis Ende Dezember 2026 terminiert.
Den unmittelbaren Anlass für die Maßnahme bildet die Ausrufung des Akkordeons zum „Instrument des Jahres 2026“ durch die Landesmusikräte – eine Zäsur, die das öffentliche Interesse an den Handzuginstrumenten in den Fokus der breiten musikalischen wie wissenschaftlichen Öffentlichkeit rückt und zugleich das Desiderat einer nachhaltigen, über das Performative hinausgehenden Erschließung des materiellen Kulturguts in aller Schärfe hervortreten lässt. Das Deutsche Harmonikamuseum verwahrt hierzu den organologisch wie kulturhistorisch maßgeblichen Referenzbestand: Mit rund 1.100 Exponaten dokumentiert die Sammlung weit mehr als die lokale Industriegeschichte; sie repräsentiert vielmehr das europäische Gedächtnis der technischen und musikalischen Genese des Akkordeons. Neben den Erzeugnissen der Firma Hohner umfasst sie rare Inkunabeln internationaler Provenienz – darunter französische Tischharmonien, englische Concertinas und sächsische Bandoneons –, die in dieser Dichte europaweit ein Alleinstellungsmerkmal darstellen.
Trotz der auratischen Qualität dieser Objekte besteht gegenwärtig eine signifikante Diskrepanz zwischen der musealen Relevanz des Bestands und seiner digitalen Verfügbarkeit: Essenzielle Informationen liegen teils in disparaten Listen, teils in analogen Karteien oder als implizites, personengebundenes Wissen vor – ein Zustand, der eine systematische Auswertung nach modernen wissenschaftlichen Standards verunmöglicht und die Gefahr des irreversiblen Wissensverlusts birgt.
Die bewilligte Förderung setzt an diesem Erschließungsdefizit an und adressiert drei zentrale Desiderate: erstens die Standardisierung und Überführung der bislang fragmentierten Bestandsdaten in die Datenbank museum-digital, um die Interoperabilität der Daten und deren Anschlussfähigkeit an nationale wie internationale Forschungsdatenbanken – namentlich die Deutsche Digitale Bibliothek und Europeana – zu gewährleisten; zweitens die fachwissenschaftliche Validierung der Metadaten, von der Datierung über technische Spezifikationen bis zur Provenienzforschung, um aus einfachen Inventareinträgen belastbare Forschungsdaten zu generieren; drittens die qualitätvolle visuelle Erfassung ausgewählter Schlüsselobjekte, deren materialtechnische Spezifika für die vergleichende Objektforschung digital zugänglich gemacht werden sollen.
„Die Förderung ist ein wichtiges Signal für unser Haus“, erklärt Museumsdirektor Salvatore Martinelli. „Das Deutsche Harmonikamuseum bewahrt eine in ihrer Dichte einzigartige Sammlung zur Geschichte der Harmonikainstrumente und der Trossinger Musikindustrie. Mit der systematischen Qualifizierung unserer Bestände schaffen wir die Grundlage dafür, dieses kulturelle Erbe nachhaltig zu sichern und wissenschaftlich nutzbar zu machen.“
Ziel der Maßnahme ist die Transformation einer historisch gewachsenen Sammlung in einen digital recherchierbaren, nach fachwissenschaftlichen Kriterien erschlossenen Bestand – eine notwendige Voraussetzung dafür, dass das Deutsche Harmonikamuseum seinem Anspruch als europäisches Kompetenzzentrum für die Geschichte der Harmonikainstrumente gerecht werden und seine Bestände der internationalen Forschungsgemeinschaft zuführen kann.
Die Förderung ermöglicht es dem Deutschen Harmonikamuseum, die Synergie des Jahres 2026 zu nutzen, um seinen weltweit einzigartigen Bestand aus dem „analogen Schatten“ zu lösen und digital so aufzustellen, wie es der internationalen Bedeutung des Hauses entspricht.
Pressekontakt
Salvatore Martinelli
Direktor Deutsches Harmonikamuseum
Hohnerstraße 4/1 | 78647 Trossingen
www.harmonika-museum.de