30/04/2026
Wer ist Hans Georg aus Kalifornien?
Diese Frage stellte sich Dana Miller vor drei Jahren, als er begann, die Unterlagen zu sichten, die seine Großeltern einst übernommen hatten: Dokumente, Bilder und persönliche Gegenstände eines Mannes, mit dem sie eng befreundet waren.
In den USA war er bekannt als Hans Georg – ein gefeierter Skilehrer in Mammoth Lakes, Autor mehrerer Bücher und gefragter Experte für Ski-Szenen in Hollywood-Filmen.
Doch seine Geschichte beginnt ganz woanders.
Geboren als Hans Georg Kahn in Würzburg, wuchs er als Sohn von Julius und Klara Kahn auf. Die Familie betrieb eine Tuch- und Manufakturenwarengroßhandlung in der Kaiserstraße 29. Nach seiner Ausbildung arbeitete er im traditionsreichen Familienunternehmen „M. Kahn & Co.“, das seit 1827 bestand.
Sein Leben nahm eine dramatische Wendung im Jahr 1935: Unter dem Vorwurf der sogenannten „Rassenschande“ und angeblicher Anstiftung zur Abtreibung wurde er von der Gestapo in Würzburg verhaftet – gemeinsam mit seinem Onkel Karl Rosenthal. Obwohl das Verfahren eingestellt wurde, blieb er in „Schutzhaft“ im Gefängnis des Landgerichts Würzburg.
Eine geplante Einweisung in das KZ Dachau wurde schließlich aufgehoben. Anfang Januar 1936 kam er frei – unter der Auflage, Deutschland sofort zu verlassen.
Im Februar 1936 emigrierte er zunächst nach Zürich. Im November 1937 setzte er seine Flucht fort: Von Cherbourg aus reiste er mit der „Queen Mary“ nach New York – in ein neues Leben.
Aus Hans Georg Kahn wurde Hans Georg aus Kalifornien.
Seine Geschichte ist mehr als die eines erfolgreichen Skilehrers. Sie ist ein Zeugnis von Verfolgung, Flucht und Neuanfang – und ein Stück Würzburger Geschichte, das nicht vergessen werden darf.