03/06/2026
Am 3. Juni 1945 verließen 16 jüdische Überlebende Buchenwald, um ein Landgut in Egendorf südlich von Weimar zu beziehen. In der prekären Situation im DP-Camp Buchenwald hatten sie wenige Tage zuvor beschlossen, einen Kibbuz Hachschara aufzubauen.
Eine solche landwirtschaftliche Trainingseinrichtung sollte ihnen helfen, sich auf eine Auswanderung nach Palästina vorzubereiten.
Möbel, Haushaltsgegenstände und Lebensmittel brachten die Überlebenden aus Buchenwald nach Egendorf mit. Was sie für ein kollektives Leben auf diesem fast brachliegenden Gut nicht vorfanden, besorgten sie mit Hilfe amerikanischer Militärangehöriger. Jüdische Soldaten spendeten Geld zur Beschaffung von Werkzeugen. Transportprobleme lösten die Überlebenden, indem sie sich einen Traktor aus Buchenwald liehen. Eine Woche nach der Ankunft in Egendorf zählte die Gruppe schon mehr als 30 Mitglieder.
Die zumeist jungen Männer und Frauen betrachteten ihren Kibbuz als eine Zwischenstation. Sie wollten sich und anderen jüdischen Displaced Persons jenseits von unterschiedlichen politischen und religiösen Überzeugungen ein vorübergehendes Heim bieten. Sie hofften, Europa bald für immer verlassen zu können.
Eine Woche bevor Thüringen gemäß den alliierten Beschlüssen Teil der sowjetischen Besatzungszone wurde, zogen die Kibbuzniks vorerst weiter nach Hessen. Am 24. Juni 1945 richteten sich etwa 50 von ihnen an ihrem neuen Standort auf dem Gehringshof nahe Fulda ein. Die Kibbuzniks teilten die Diskriminierungs- und Ausgrenzungserfahrungen in der Vorkriegszeit genauso wie die Erfahrungen in den Konzentrationslagern. Sie alle hatten Angehörige in der Shoah verloren.
Ende August 1945 verließ eine erste Gruppe des Kibbuz Buchenwald den Gehringshof in Richtung Palästina.
(Ronald Hirte)
Arttkel in den Reflexionen:https://stiftung-gedenkstaetten.pulse.ly/ncxwwtlz8f
Quellen:
Interview mit Artur Posnanski, August 1992 (https://ushmm.pulse.ly/umkixuw1it letzter Zugriff: 10. Mai 2021).
Meyer Levin (Hg.), Kibbutz Buchenwald. Selections from the Kibbutz Diary, Tel Aviv 1946.